Termine

Geplante Veranstaltungstermine 2018

15. Dezember:

10. Jahresabschluss-Feier mit Nikolaus

(25 Jahre – Blickpunkt)

 

 

Geplante Veranstaltungstermine 2019

 

16. März

Kulturtag in Osnabrück

 

 

28. November –  01. Dezember

Gruppenreise mit Bus nach Brüssel EUD

und Weihnachtsmarkt

 

 

Termin noch offen: 

10 Jahre Kugepu in Paderborn

Flughafen in Paderborn/Lippstadt

Führung und Rundflug

-KUGEPU-

Jahresarchive: 2010

Jahresabschlussfeier mit Nikolaus-Bescherung für Kinder

Am 05.12.2010 kamen ungefähr 40 Personen zum Jahresabschluss des Kulturvereins der Gehörlosen Paderborn und Umgebung e.V. (Kugepu) im HGZ in Paderborn zum letzten Mal im Jahr 2010 zusammen. Auch die Teilnehmer von der Bildungsfahrt Dresden waren dazu eingeladen, um Fotos austauschen zu können und gemeinsam die Videoaufnahmen per auf der Video-Leinwand ansehen zu können. Die Kinder sind gut beschäftigt von der Kinderbetreuung, so dass ihre Eltern sich abschalten können. Die Kinder sind auch gekommen, um vom Nikolaus schöne Bescherung in Empfang nehmen zu können. Doch einige von ihnen trauen sich aus Ehrfurcht vor dem Nikolaus nicht nahe zu treten, obwohl dieser schön gepackte Weihnachtstüten übergeben möchte. Es gab reichlich zu essen, zu Mittag wurde warmes Büffet vom DRK auf Bestellung angeboten, welches auch in Büren geliefert hatte. Am Nachmittag gab es Kuchen und Kaffee. Da im Fernsehen und Internet die Eisglätte auf fast allen Straßen für den Abend angekündigt wurde, sind die Leute deswegen gegen 16 Uhr schon heimgefahren.

Viertägige Bildungsreise nach Leipzig und Dresden

Am 25. 11. 2010 um 05:30 Uhr starteten wir eine Bildungsfahrt nach Leipzig und Dresden. In aller Frühe sammelte Reinert Gnade, unser Busfahrer der Firma Suerland, die 29 Teilnehmer vom Kulturverein der Gehörlosen Paderborn und Umgebung an den vereinbarten Haltestellen in Borchen-Etteln, am Hauptbahnhof Paderborn und später am SVG-Hof Lohfeldener Rüssel bei Kassel ein. Die restlichen Teilnehmer sind selbst mit dem Flugzeug aus München angereist. Unser Kassierer Thomas Geisbrecht begrüßte uns alle und erklärte den Ablauf der Fahrt. Zunächst fuhren wir über die Autobahn bis nach Leipzig. InLeipzig führte uns die Teilnehmerin Simone Fischer als Stadtführerin zum Hauptbahnhof, auf den Weihnachtsmarkt und den Marktplatz in der Altstadt. Im Anschluss haben wir im Auerbachs Keller Mittag gegessen und gingen dann weiter zur „Sächsische Landesschule für Hörgeschädigte Leipzig – Förderzentrum Samuel Heinicke”. Diese Schule ist heute eine moderne Schule mit großer Tradition. Sie wurde im Jahr 1778 als erste Gehörlosenschule in Deutschland durch Samuel Heinicke gegründet. Wir besichtigten unter Führung eines ehemaligen Lehrers den Schulkomplex. Sie ist die größte Schule für gehörlose, blinde und ertaubte Schüler/innen im ganzen Bundesland

Sachsen. Bis heute ist die Samuel-Heinicke Schule unter Trägerschaft des Freistaates Sachsen. In der Förderschule Samuel Heinicke lernen zurzeit etwa 160 Schülerinnen/Schüler mit Hörbehinderung. Anschließend gingen wir zum Dachgeschoss der Schule, wo eine Bibliothek untergebracht ist. Es ist eine spezielle Bibliothek und besteht seit mehr als hundert Jahren und gibt wertvolle Auskünfte an die Fachleute. Sie bietet eine der umfangreichsten Sammlungen auf dem Sachgebebiet der Hör – und Sprachgeschädigten im deutschsprachigen Raum. Das war sehr beeindruckend. Der Busfahrer holte uns anschließen an der Schule ab und wir fuhren noch eine Stunde weiter bis zum Hotel in Dresden. Um 20.00 Uhr erreichten wir unsere Schlafstätte, wo wir von der Hotelbesitzerin freundlich empfangen wurden. Nachdem die Zimmerschlüssel verteilt waren, blieben einige im Hotel und andere unternahmen eine gemeinsame Taxifahrt in die Stadt, um dort im Restaurant Abend essen zu können Zum Ausklang des ersten Tages fuhren wir wieder zum Hotel zurück, unterhielten uns und erzählten uns Witze und tranken Biere an der Hoteltheke.

Am 26. 11. 2010 begannen wir Punkt 9:00 Uhr unseren Busausflug nach Dresden. Vorher hatten wir ein sehr reichhaltiges Frühstücksbuffet gehabt. Gekräftigt und gut gelaunt brachte uns unserer Busfahrer Gnade nach Dresden, wo um 10:00 Uhr die gehörlose Stadtführerin Monika Schwarz an der Frauenkirche auf uns zukam. Sie ist eine erfahrene Stadtführerin in Dresden, weil sie hier geboren ist und den Krieg hier selbst erlebt hat. Vielen ist sie bekannt aus der Sendung „Sehen statt Hören”. Sie hat uns viele uralte Gebäuden gezeigt und dazu die Geschichte erzählt. Die Frauenkirche wurde 1726 bis 1743 gebaut. Die 17 Jahre lange Bauzeit wurde geschafft und im Februar 1945 brach leider die Kirche unter dem Feuersturm des Krieges zusammen. Später wurde im Jahr 1993 das Kreuz unter den Trümmern zufällig gefunden. Der Wiederaufbau der Frauenkirche dauerte drei Jahren (1994 bis 1996). Das zweite Kreuz wurde am 13. Februar 2004 aufs Dach der Frauenkirche aufgesetzt. König Johann von Sachsen ließ die weltbekannte Semperoper bauen. Die Semperoper wurde ebenfalls im Jahr 1945 durch einen Kriegsangriff zerstört. Später wurde in der ehemaligen DDR diese Oper wieder aufgebaut. Im Jahr 2002 stand die Oper unter Hochwasser. Das Kronentor des Zwingers wurde am 13. Februar 1945 ebenfalls zerstört und erst nach dem Krieg wieder aufgebaut, nach 19 Jahren Bauzeit wurde es im Jahre 1964 endlich fertig. Der gehörlose Handwerksmeister Alfred Hörnig schmiedete bei der Restaurierung die vier vergoldeten Adler für die Königkrone und hat dabei eine sehr saubere Leistung vollbracht. Diese Krone wurde wieder auf die Kuppe der Kronentores des Zwingers aufgesetzt. Weitere Punkte unserer Besichtigung waren: Die Orgel, das Nagelkreuz, die Innenkuppel, die Brühlsche Terrasse, die Kunstakademie, die Augustusbrücke, das Coselpalais, der Stallhof, der Fürstenzug, das größte Porzellanfliesenbild der Welt, 102 m lang und 10 m hoch. Es hat den Bombenangriff gut überstanden. Zum Schluss ging die Reiseführerin mit uns in die Frauenkirche und zeigte den historischen Innenraum der Kirche. Ganz wunderbar gemalte Bilder an allen Wänden sind zu sehen. Der Blick in die Kuppel, in den Altarraum, ein sakraler und künstlerischer Höhepunkt der Frauenkirche, der Blick auf die Empore, das Taufbecken mit Deckel, Engel mit Posaune an der Orgel, der Blick aufs massive Gestühl aus Eiche. Das alte, gefundene und von der Glut der Vernichtung gezeichneten Kuppelkreuz zur Wachsamkeit, stand unter der Empore in der Kirche. Nach dem Ausgang aus der Kirche gingen wir gemeinsam zur Besichtigung des Keller-Restaurants „Pulverturm” in der Nähe der Frauenkirche. Es war im Jahr 1565 eine Verteidigungsanlage, wo Schließpulver sicher vor den Feinden im Keller versteckt wurde. Zum Schluss gingen wir gemeinsam zur Jüdischen Kirche in Dresden mit einem sichtbaren Davidstern. Das jüdische

Kreuz hat ein jüdischer Mann im Krieg sehr gut im Keller versteckt. Nach dem Krieg hat er dieses Kreuz wieder an der Wand aufgehängt. Wir alle haben uns bei der gehörlosen Stadtführerin Monika Schwarz herzlich bedankt, die über drei Stunden lang uns alles gezeigt hat. Anschließend fuhren wir mit dem Bus weiter nach Moritzburg und gingen zum dortigen Schloss. Wir besichtigten das Schloss Moritzburg und gingen anschließend direkt in diesem Schloss zu Kaffee und Kuchen, um sich etwas zu erholen. Gestärkt besichtigten wir noch ein paar Stunden die Stadt. Nach dem Aufenthalt in Moritzburg ging es schließlich zurück nach Dresden zum Gewölbe-Restaurant „Sophienkeller” im Taschenbergpalais zu Dresden, wo die Busfirma schon lange vor unserer Reise für uns das Abendessen reserviert hatte. Das Essen präsentierte typische Spezialitäten aus Dresden, es war sehr lecker. Am späten Abend brachte uns der Busfahrer zum Hotel zurück, wo wir uns gemütlich unterhielten und an der Theke etwas getrunken haben. Dort blieben wir bis zum Feierabend der Kellnerinnen.

Der dritte Tag, der 27. 11. 10, war auch sehr ereignisreich. Das Wetter war besser als am Vortag und erfreute uns mit winterlichem Sonnenschein. Nach dem Frühstück fuhren wir mit unserem Bus nach Königstein. Dort erwartete uns die auf Felsen gebaute Festung Königstein. Hier in der Sächsischen Schweiz gab es einen historischen Weihnachtsmarkt wie im Mittelalter mit den entsprechenden Kostümen der Betreiber. Die Ausstellung im Museum zeigte die Festungsgeschichte, unter anderem über das alte Zeughaus, Brunnenhaus, Garnisonskirche, Georgenburg, Geschossmagazin, Kommandantenhaus, Kommandantenpferdestall, Kranich-kasematte, Magdalenenburg/Fasskeller, Neues Zeughaus, Schatzhaus, Torhaus, Kommandantengarten und Nutz-garten am Schatzhaus. Anschließend fuhren wir nachmittags wieder in die Stadtmitte von Dresden, wo wir 6 Stunden Zeit zur freien Verfügung auf dem Weihnachtsmarkt hatten. Alle konnten etwas für das bevorstehende Weihnachtsfest einkaufen. Nach dem Weihnachtsmarkt trafen sich alle wieder am Bus, dabei trug die Hälfte unserer Reisenden eine Weihnachtsmütze, was sehr lustig aussah. Anschließend fuhren wir gemeinsam zum Hotel zurück. Am Abend unterhielten wir uns gemütlich und tranken ein Schlückchen Bier.

Am vierten und letzten Tag, dem 28. 11. 10, traten wir alle nach einem kräftigen Frühstück wieder die Heimreise an. Nach einer zweistündigen Fahrt machten wir zwecks Mittagspause einen Abstecher nach Erfurt. Hier hatten wir wieder zwei Stunden zur freien Verfügung zum Besuch des Erfurter Weihnachtsmarktes. Gegen 15:00 Uhr verließen wir Erfurt und machten noch einmal an der Autobahnraststätte Malsfeld einen Zwischenstopp, wo wir uns von zwei Personen verabschiedeten. Weiter ging es zum Hauptbahnhof nach Paderborn. Der Ausflug war wundervoll und wird uns allen in guter Erinnerung bleiben. Die Teilnehmer dankten den Organisatoren Thomas Geisbrecht, Alexander Arzberger sowie Simone Fischer und haben ihnen eine Erinnerung an die Fahrt überreicht. Der Busfahrer Reinert Gnade war sehr zufrieden mit uns (und wir mit ihm) und er hatte mit uns viel Spaß gehabt. Er würde uns gerne bei einem nächsten Mal wieder fahren.

 Reinhard Eckey

Feier mit Ausstellung zur Geschichte der Gehörlosen am 5. November 2010 in der Stadt-halle Büren

Nach langer und vielfältiger Vorbereitung konnte Kugepu die Veranstaltung in der Stadthalle Büren starten. Der Anlass dieser Feier war der 180ste Geburtstag der ehemaligen „Taubstummenanstalt“ in Büren. Heute ist es die Förderschule Hören und Kommunikation. Da die Schule sich bewusst von der alten Bezeichnung „Taubstummenanstalt“ seit längerer Zeit distanziert, ist es in den Augen des Kugepu dennoch wichtig, die lange und interessante Geschichte der Schule und deren Einfluss auf die Schüler dokumentarisch und bildnerisch darzustellen. Dazu gehörten Vorträge und Ausstellungen, die die Feier begleitet haben. Selbstverständlich bot die Veranstaltung auch den Besuchern eine Gelegenheit, ihre ehemaligen Schulkameraden wiederzusehen – sozusagen Klassentreffen. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit, mehrere Infostände zu besuchen, z. B. Deutsche Gehörlosenzeitung, RehaComtech etc. Bereits um 10 Uhr war der Einlass. Es kamen viele – am Ende der Veranstaltung konnten wir über ca. 300 Besucher zählen. Um ca. 10.30 Uhr eröffnete Ralf Kirchhoff, 2. Vorsitzender vom Kugepu, die Feier und begrüßte die Gäste. Diese bekamen viele Informationen über den Verlauf des Tages und die Angebote der Veranstaltung. Bereits um 11 Uhr konnte die Führung in der neuen Förderschule durch den Rektor Herrn Köjer und seine Mitarbeiterinnen beginnen, die sich noch ein paar Male wiederholen konnte. Viele ehemaligen Schüler wollten gerne die neue Schule kennenlernen. Bevor die Feier mit Ansprachen der Ehrengäste begann, stärkten sich die Besucher mit einer Suppe zum Mittagessen. Um ca. 13.30 Uhr dankte Ralf Kirchhoff zunächst den Ehrengästen für ihr Kommen. Herr Schwuchow, Bürgermeister von Büren, eröffnete die Reihenfolge der Ansprachen. Er sagte, dass er sich über den Tag freue, der nicht nur den gehörlosen Besuchern eine Möglichkeit zum Erinnern an die Schulzeit gebe. Dazu zeigte er eine nette Gebärde, die er mittels Internet gelernt hat. Dazu bekam er einen Applaus. Dann folgte Herr Köjer mit der Feststellung, dass er die Ausstellung als „wichtigen Beitrag zur Geschichtsforschung der Gehörlosen“ sehe. Weiter sagte er: „Die 180jährige Geschichte der Schule ist ein Abbild davon, wie Gehörlose eingebunden werden in das jeweilige Bildungssystem der Gesellschaft.“ Daran schloss sich auch Helmut Vogel an, Vorsitzender des Bundesverbandes „Kultur und Geschichte Gehörloser e. V.“ (bekannt unter KuGG). Er sah es mit Freude, dass Kugepu sich als Mitgliedsverein zur Aufgabe nimmt, „die Kulturarbeit und auch die regionale Geschichtspflege zu fördern“. Da Marlene Lubek, die bekannte und frühere Vorsitzende der Landschaftsversammlung und SPD-Politikerin, aufgrund eines privaten Termins früher wegfahren musste, konnte sie ihren Vortrag vorzeitig durchführen. Als damalige Lehrerin der Gehörlosenschule Büren (1957 bis 1962) verteidigte sie das damalige Konzept der Unterbringung der gehörlosen Schüler in den Pflegehäusern und betonte: „Die Pflegehäuser stellten für mich immer eine Möglichkeit dar, Gehörlose in die hörende Gesellschaft zu integrieren.“ Dagegen sagte Elisabeth Brockmann bei der Vorstellung ihres Buches „In zwei Welten – Schicksale gehörloser Pflegekinder“, dass nicht alle gehörlosen Pflegekinder positive Seiten dieses Systems erlebt haben. Als Beispiel für die negativen Erfahrungen der Pflegekinder wurde ein Film mit der gebärdeten Erzählung von Birgit von Berg gezeigt, der die Zuschauer in den Bann zog. Besonders ihre Aussage: „Sie (Anm. der Redaktion: die Pflegefamilie) haben mich zum Essen gezwungen. Wenn ich nicht aß, haben sie mich mit einem Stock geschlagen.“ Später hatte sie ihrer leiblichen Mutter von solchen Misshandlungen erzählt und war schließlich in eine andere Pflegefamilie gekommen: „Dort war alles gut.“ Daraufhin brachte Herr Köjer sein Bedauern zum Ausdruck, dass die damaligen Schüler negative Erfahrungen gemacht haben und hoffte aber gleichzeitig, dass „die positiven Erinnerungen an die damalige Zeit überwiegen“. Bis hierhin wurden alle Ansprachen von den Gebärdensprachdolmetschern, Klaus Meinhold und Michael Fischer, übersetzt, bei denen sich die Organisatoren der Ausstellung für ihre gute Übersetzungsarbeit an dieser Stelle herzlich bedanken möchten. Direkt nach der Reflexion von Herrn Köjer wurde ein Theaterstück von „Thow & Show“ aus München gezeigt, in dem die typischen Eigenheiten der Gehörlosenkultur auf eine sehr witzige Weise dargestellt wurden. Nach der darauffolgenden Pause referierte Helmut Vogel eindrucksvoll über die Zukunftsperspektiven der Tauben, die in verschiedenen Formen ausgebaut werden sollen und gab den interessierten Fragestellern Möglichkeit zum Austausch über dieses Thema. Danach zeigte Dodzi Dougban seine überragenden Künste in Hip Hop. Wiederholt brachten die Schauspieler Simone Fischer und Jesus Lohwieser von Thow & Show die Zuschauer zum Lachen. Auch aus Hamburg kam ein „Deaf Theater“ und zeigte mit viel Engagement das Stück „Waisenkind“. Nebenbei brachte der Clown Michael Kullmann den Kindern viel Freude, die auch von Kindergärtnerinnen betreut wurden. In der Pause wurden eifrig Lose gekauft, denn es konnten z.B. ein Blackberry-Handy, ein Gutschein für ein Jahresabo oder andere Überraschungen gewonnen werden. Wer sich zum Buffet angemeldet hatte, wurde auch nicht enttäuscht. Es gab ein leckeres Essen mit Gänsekeule und schmackhaften Beilagen und Dessert. Man kann abschließend sagen, dass die Geschichte der Gehörlosen, im Zusammentreffen mit dem 180-Jährigen Geburtstag der ehemaligen „Taubstummenanstalt“ Büren, durch die Veranstaltung des Kugepu eine gelungene Würdigung erfahren hat.

Ralf Kirchhoff

Bericht von der 1. ordentlichen Mitgliederversammlung am 19. September 2010

Trotz des Sonntags kamen 18 Mitglieder vom Kulturverein der Gehörlosen Paderborn & Umgebung zur prestigeträchtigen 1. Mitgliederversammlung. Mit kleiner Verspätung begrüßte der 1. Vorsitzenden Alexander Arzberger die Anwesenden. Die Versammlungsleitung wurde vom 2. Vorsitzenden Ralf Kirchhoff durchgeführt. Beim Punkt „Jahresbericht des Vorstandes“ hat, Alexander Arzberger die tolle Vorbereitung und Organisation bis zur Gründung des Vereins am 06.06.2010 ganz besonders hervorgehoben. Die 12 Gründungsmitglieder wurden namentlich genannt und für ihre Leistung gewürdigt. Er dankte Kassierer Thomas Geisbrecht für seine Unterstützung bis zur erfolgreichen Eintragung durch das Amtsgericht Paderborn, insbesondere für die Mitwirkung an der Erstellung der Vereinssatzung. Weiterhin wurden alle Aufgaben und Tätigkeiten des Vorstandes und weitere Tagesordnungspunkte über die Powerpoint-Präsentation auf der Videoleinwand den Anwesenden gezeigt. Dabei stellte sich heraus, dass die Beiträge auch für das Jahr 2011 stabil bleiben Der Kugepu bietet den Lesern und Interessierten eine Fahrt nach Nürnberg mit professioneller Stadtführung durch die gehörlosen Stadtführer an. Wer Interesse daran hat, bitte beim 1. Vorsitzenden Alexander Arzberger (Kugepu)

per Mail 1.Vorsitzender@kugepu.de melden. und zum gegenwärtigen Zeitpunkt 32 Mitglieder im Verein „Kugepu“ festgestellt wurden. Anschließend gab es Kaffee und Kuchen, den einige Mitglieder gespendet haben. Alexander Arzberger und Thomas Geisbrecht haben danach von der 6. Jahrestagung des KuGG’s in Nürnberg Ende April dieses Jahres ebenfalls mit Hilfe des Beamers auf die Videoleinwand erzählt, welche interessanten Themen dort besprochen wurden und welche Ziele in Zukunft verfolgt werden. Über diese Tagung wurde bereits im Magazin „Blickpunkt“ der Ausgabe vom April – Juni 2010 ausführlich berichtet. Zum Abschluss an dieser Veranstaltung wurde gegrillt. Die Stimmung war gut, da die Anwesenden sich endlich unterhalten konnten. Jedes Mitglied bekam eine Wurst und ein Getränk kostenlos. Es gab Salat und kühles Bier. Auch hier wurden Salate gespendet. Alexander dankte allen für die Spenden und den Besuch und wünschte den Leuten eine gute Heimfahrt. Gegen 19 Uhr ging die Veranstaltung zu Ende.

Thomas Geisbrecht

1. Internationaler Fachkongress des Deutschen Gehörlosenbundes „Bildung durch Gebärdensprache“ vom 26. bis 28. August 2010 in Saarbrücken

Am 26. August 2010 fuhren Alexander Arzberger und Ralf Kirchhoff zum Fachkongress „Bildung durch Gebärdensprache“, der im Congress-Centrum-Saar in Saarbrücken, in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) und dem Schweizerischen Gehörlosenbund (SGB – FSS), vom Deutschen Gehörlosenbund (DGB) organisiert wurde. In der Eröffnungsveranstaltung am frühen Nachmittag betonte Rudi Sailer, Präsident des DGB: „Dieser Kongress soll ein Auftakt sein, tauben Menschen künftig besseren Zugang zu verschiedenen Bildungsangeboten zu garantieren.“ Wie Sailer unterstrichen Helene Jarmer, Präsidentin des ÖGLB und Nationalabgeordnete, und Roland Hermann, Präsident des SGB –FSS die Notwendigkeit, dass lebenslange Bildung und Weiterbildung für gehörlose Menschen der Schlüssel zur Teilhabe in der Gesellschaft sind. Vielfältige Workshops und Podiumsdiskussionen standen in den nächsten 3 Tagen insgesamt ca. 300 Besuchern zur Verfügung. Eine Qual der Wahl!!! Zum Kongress kamen auch weitere hochkarätige, gehörlose Experten: Mark Wheatley, Leiter des EUD (European Union oft he Deaf) aus Brüssel, Dr. Ádám Kósa, Mitglied des Europäischen Parlaments und Präsident des SINOSZ sowie Helga Stevens, Senatorin des Belgischen Senats und Mitglied des Flämischen Parlaments. Zunächst machte Mark Wheatley von EUD viele Ausführungen zu den Perspektiven von EUD zur Bildung in Europa. Er gab uns viele Hinter-grundinformationen über diese Organisation und statistische Daten über Kinder mit Cochlea Implantat und die Einflüsse des Implantats auf die Erziehung tauber Kinder. Trotz der Zusammenarbeit von EUD mit CIU, einer europäischen Organisation von Implantat-Ärzten, war erschreckend deutlich zu sehen, dass in den letzten Jahren besonders in Deutschland und Österreich die meisten Implantationen zu verzeichnen waren. Jedoch war es nicht klar, wie viele Gehörlose darunter sind. Wenn klare Zahlen vorliegen, werden weitere Fragen geklärt werden: Wie können wir tauben Kindern eine sprachliche Struktur bieten, durch die ein Interesse an der konsequenten Sprachentwicklung geweckt wird – im gleichen Maße wie bei hörenden Kindern? Deshalb zeigt Helene Jarmer in ihrem nächsten Vortrag über den Inklusionsfahrplan auf, welche Punkte in einem Fahrplan für die Inklusion an Schulen zu beachten sind. Im Fall von Österreich reicht es nicht, dass nur auf die Inklusion an Schulen geschaut wird, sondern andere Ministerien müssen auch an einem Strang ziehen. Viele Ministerien verweisen jedoch auf das Sozialministerium. Schon dies zeigt die Schwierigkeiten der Umsetzung der Rechte der UN-Konvention. Weiterhin betonte der EU-Parlamentsabgeordnete, Dr. Ádám Kósa das Recht der Gehörlosen auf Bildung. Denn seit 1. Dezember 1999 ist die „EU Charta der Grundrechte“ in allen Mitgliedsstaaten verbindlich, jedoch müssen in einem Harmonisierungsprozess die Regelungen und Gesetze der EU und die UN-Konvention aufeinander abgestimmt werden. Herr Kósa ist sich sicher, dass trotz vieler Hürden die Gehörlosen ihr Recht auf Bildung am Ende verwirklichen können. Wie stark die Verweigerung des barrierefreien Zugangs der tauben Schülern und Studenten zu Bildung und Ausbildung durch die Regierung auf die Bildungssituation in Belgien ausfällt, zeigte Helga Stevens, Senatorin des Parlaments von Flandern, an den hohen Zahlen der Abbrecher. Deshalb wird 2010 das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Bildungs- und Informationsarmut und sozialer Ausgrenzung“ ausgerufen. Dennoch ist es sehr wichtig, dass internationale Vereinbarungen vollständig umge-setzt werden und die Umsetzung auch beobachtet und kontrolliert wird. Sonst bleiben nicht nur in Belgien taube Menschen Bürger zweiter Klasse. Je nach Absprache besuchten wir voneinander weitere verschiedene Workshops. Nur einige zur Auswahl: Viktor Werner, angehender Gehörlosenpädagoge in Hamburg, stellte in seinem Vortrag „Mathematik und gehörlose Kinder – wie gut sind sie darin?“ fest, dass gehörlose Kinder besser in Mathematik als hörende Kinder sind, da sie vorwiegend auf visuelle Fähigkeiten zurückgreifen. Deshalb soll der „hörende“ Mathematiklehrplan stärker an diese Fähigkeiten angepasst werden. Dennoch braucht Mark Zaurov in seinem Workshop „Unterrichtsmaterialien für Deaf History“ neue Matereialien für Deaf History in den Lehrplänen. Viele Vorschläge wurden eingebracht. In einem weiteren Vortrag „Taub ist dumm – nicht mit uns! Deaf Studies als Instrument für lebenslanges Lernen“ halten Thomas Geissler und Sabine Fries von der Humboldt-Universität ein Institut für Deaf Studies für sehr angebracht, da mit diesem Institut Instrumente für Empowerment und lebenslanges Lernen entwickelt werden können, die nötig für die Bildung von tauben Bürgern in Deutschland sind. Eine ganz orignielle Idee zeigte sich in einem Vortrag von Dr. Ingo Barth „Unser Traum wird wahr: Gebärdensprach- Universität in Europa“: In Bad Kreuznach soll in den nächsten Jahren die erste Europäische Gebärdensprach- Universität entstehen. Bisher ist die Gallaudet-Universität für Gehörlose in Washington/D.C. die einzige in der Welt, zu der viele europäische Studenten unter großen Mühen kommen können. Eine neue Universität in Bad Kreuznach soll daher die Bildung der europäischen Tauben übernehmen. Nach diesen lehrreichen Tagen findet der Fachkongress am 28. September 2010 mit dem Gala-Abend im Congresszentrum einen krönenden Abschluss. Thomas Geissler führte sehr souverän durch diesen Abend mit Talkshows und zahlreichen Theaterstücken. ACE, der deutsch-iranische, in London lebende Künstler, zeigte die Gebärde „Danke“ in vielen schönen Ausführungen, die für alle Beteilitgten des Fachkongresses gilt. 2014 wird der nächste Fachkongress zu einem anderen Thema in Wien stattfinden.

Ralf Kirchhoff

Präventionsvortrag „Schlaganfall“ von Dr. Wagner (hd.)

Am 11.Juli 2010 kamen ca. 35 Personen trotz der Affenhitze um die 35°C im Schatten zum Präventionsvortrag über das wichtige Thema „Schlaganfall“. In diesem Vortrag zeigte der Referent Dr. Wagner (hd.) deutlich auf, wie es wichtig ist, nicht erst auf den Schlaganfall zu reagieren sondern schon vorzubeugen, weshalb das Wort Prävention seine Bedeutung hat. Der Kulturverein „Kugepu“ hatte gefreut, dass dieser Vortrag in Zusammen- arbeit mit der Stiftung „Deutsche Schlaganfall Hilfe“ zustande gekommen ist. Dafür dankte Kugepu herzlich und ganz besonders auch über die finanzielle Unterstützung für den Einsatz einer Gebärdensprachdolmetscherin durch die Stiftung. Warum ist dieser Vortrag wichtig für uns? Manche Menschen haben falsche Vorstellungen oder verharmlosen das Thema „Schlaganfall“ völlig nach dem Motto „Mir wird es sicher nicht passieren, sondern den Anderen!“ Das ist leider ein Irrglaube. Es kann JEDEN treffen! Die traurige Tatsache ist, dass in Deutschland alle 3 Minuten sich ein neuer Schlaganfall ereignet, und davon stirbt alle 9 Minuten ein Betroffener an diesen Folgen. Also in der Gesamtheit ausgedrückt, erleiden jährlich über 200.000 Bundesbürger einen Schlaganfall und gehört dann zur dritthäufigste Todesursache in Deutschland. 30 % sterben innerhalb des ersten Jahres nach dem Schlaganfall und 70 % der Überlebenden bleiben langfristig behindert. Das ist der Grund genug, um auf die Gefahren des Schlaganfalls hinzuweisen und entsprechende Vorbeugungen zu treffen.

Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Formen des Schlaganfalls:

Hirninfarkt und Hirnblutung Beim Hirninfarkt ist die Hauptursache einer Mangeldurchblutung des Gehirns aufgrund eines verstopften Blutgefäßes, z.B. der Halsschlagader. Von der Hirnblutung spricht man, wenn ein Blutgefäß im Gehirn plötzlich platzt. Es ist ganz wichtig zu erkennen, wann ein Verdacht auf den Schlaganfall vorliegt.

Daher sollte man die Symptome kennen und wie man akut am besten den Schlaganfall behandelt. Die Symptome sind:

  • plötzliche      Sehstörungen
  • plötzliche      Sprach-und Sprachverständnisstörungen
  • plötzlicher     Schwindel mit Gangunsicherheit
  • plötzliche      Lähmung,Taubheitsgefühl
  • plötzliche      starke Kopfschmerzen

Wenn einer diesen Schlaganfall-Symptome auftritt, dann sofort den Notarzt verständigen, bei Hörenden läuft es üblicherweise unter der Rufnummer 112. Die Gehörlosen sollten sich bei örtlichen Stellen erkundigen, wie sie am besten den Notarzt erreichen können bzw. um Hilfe rufen können. Im Vortrag wurden auf die häufigsten Risikofaktoren eingehend eingegangen. Die Risikofaktoren für eine Begünstigung eines Schlaganfalls sind:

  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht, Diabetes
  • Alkohol, Ernährung
  • Stress

In Kombination von Bluthochdruck und Rauchen erhöht sich das Schlaganfall-Risiko bis zu 20-fach!!! Das sind alle Einflüsse, wo wir uns selbst in die Hand nehmen können, das Risiko eines Schlaganfalls abzumildern oder auch zu verhindern. Die Senkung des Bluthochdrucks wäre hier am Wirkungsvollsten, um den Schlaganfall vorzubeugen. Weitere Risikofaktoren lassen sich leider nicht beeinflussen: Alter Männliches Geschlecht Familäre Belastung Wir möchten darauf hinweisen, dass dieser Bericht nicht ausreicht, um sich über den Schlaganfall umfassend zu informieren. Gerne können wir nach Bedarf einen neuen Präventionsvortrag anbieten. Dann wird eine Präsentation mit vielen Bilder und Grafiken gezeigt, die ganz leicht zu verstehen ist. Wer Interesse hat, bitte 1.Vorsitzenden Alexander Arzberger vom Verein Kugepu ansprechen. Dr. Wagner war beeindruckt von der lebhaften Diskussion und hatte viel Spaß und Freude gehabt bei seiner Präsentation. Kugepu dankte ihm für seinen aufschlussreichen Vortrag.

Thomas Geisbrecht

Gehörlosen-Stadtführung in Nürnberg

Im Anschluss an die Jahrestagung des Vereins „Kultur und Geschichte Gehörloser e.V.“ (KuGG) am 02. Mai 2010 war für die Tagungsteilnehmer die Gehörlosen-Stadtführung angeboten worden. Inna und Alexander Arzberger, Ralf Kirchhoff und Thomas Geisbrecht vom Verein Kugepu hatten das Angebot wahrgenommen und daher folgt dieser Bericht. In Zusammenarbeit mit dem Gehörlosenverband Nürnberg und Umland e.V. werden von den vier ausgebildeten und geprüften gehörlosen Stadtführern verschiedene Rundgänge in der Stadt Nürnberg angeboten.

Die Altstadtführung

Nürnberg war lange Zeit freie Reichsstadt und internationales Wirtschaftszentrum mit regem Kunst-, Kultur- und Geistesleben. Auf einem Rundgang wird diese Vergangenheit an zahlreichen erhaltenen Bauten, Denkmälern und Kunstwerken wieder lebendig. Entlang der Pegnitz mit ihren vielen Brücken, auf dem Hauptmarkt mit seinem 600 Jahre alten schönen Brunnen und auf dem Weg zur Burg mit dem Blick auf die gesamte Altstadt mit hohen Kirchtürmen, historischen Bürgerhäusern und erhaltener Stadtmauer gibt es viel Einmaliges in Nürnberg zu entdecken. An einigen Stellen wurde gezeigt, wo der berühmte gehörlose Maler Johann Paul Ritter (geb. 04.03.1829, † 27.11.1907) seine Spuren hinterlassen hat. Mit 4 Jahren wurde er taub und mit 60 Jahren wurde er zum Professor ernannt. Eigentlich wollten die Teilnehmer auch die Kaiserburg besichtigen, jedoch machten das zunehmend schlechte Wetter und starker Regen einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem wird hier berichtet, da die Kaiserburg eine von mehreren Nürnberger Wahrzeichen ist. Sie ist leicht zu erkennen wegen der hohen Mauern auf dem Stadthügel.

Kaiserburg mit Stadtbefestigung

Wegen der üppigen und sehr bequemen Ausstattungen haben alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation von 1050 bis 1571 immer wieder auf der Kaiserburg Station bezogen: der kaiserliche Hof (Palast) mit Festsälen und Wohnräumen, die doppelstöckige Kaiserkapelle, der 50 m tiefe Brunnen, der hohe Sinnwellturm, die neunstöckige Kaiserstallung eingerahmt vom Fünfeckturm und „Lug-ins-Land“ sowie eine auch heute noch intakte Stadtbefestigung mit hohen Mauern, tiefem Graben und wehrhaften Bastionen, die über Jahrhunderte einen perfekten Schutz boten.

Thomas Geisbrecht

6. Jahrestagung des KuGG vom 30. 04. bis 02. 05. 2010 in Nürnberg

KuGG ist ein deutschlandweiter Verein für „Kultur und Geschichte Gehörloser“ mit Sitz in Berlin. Dieser Verein ist als gemeinnütziger Verein anerkannt und war bis 1998 eine      „Interessengemeinschaft zur Förderung der Kultur Gehörloser“ (IFKG), die 1993 vom Deutschen-Gehörlosen-Bund e.V. gegründet wurde und 2001 mit dem 1996 gegründeten „Deaf History – Interessengruppe zur Geschichte Gehörloser“ zusammengeschlossen wurde. Heute hat KuGG über 250 Mitglieder. Der Vorstand setzt sich derzeit aus dem 1. Vorsitzenden Helmut Vogel (Frankfurt), dem 2. Vorsitzenden Ege Karar (Aachen), der Beisitzerin für Finanzen Jana Schwager (Heilbronn), den Beisitzern Herbert Christ (Berlin) und Sieglinde Lemcke (Hamburg) zusammen. KuGG setzt sich für die Förderung der Kultur, Geschichte und Gebärdensprache der Gehörlosen ein. Der Verein fördert den Austausch von Erfahrungen auf allen Gebieten der Kultur und Geschichte Gehörloser. KuGG ist der einzige Verein in Deutschland, der die Förderung der Gehörlosenkultur und die Erforschung der Gehörlosengeschichte gleichermaßen zum Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht hat. Das wichtigste Ziel der Vereinsarbeit ist die Anerkennung der Gehörlosenkultur und der Gehörlosengeschichte in der Öffentlichkeit. Der Kugepu ist seit 01. 01. 2010 Mitglied bei der KuGG. Die Satzungszwecke von der KuGG sind stark ähnlich wie die vom Kugepu. Darum wünscht sich der Kugepu eine gute Zusammenarbeit mit der KuGG, um die Vereinsziele effektiver verwirklichen zu können. Erste Erfahrungen konnte Kugepu bei seiner Veranstaltung im März 2010 sammeln: Ein Vortrag über das Thema „Deafhood – Taubsein“ mit dem Referenten Helmut Vogel. Wer mehr über den Verein KuGG erfahren möchte, der kann sehr umfangsreiche Informationen im Internet unter www.kugg.de abrufen. Auf der 6. Jahrestagung des KuGG waren vom Kugepu-Vorstand Alexander Arzberger, Ralf Kirchhoff und Thomas Geisbrecht vertreten, mit der wesentlichen Aufgabe, für zukünftige Vereinsarbeit wichtige Erfahrungen, Erkenntnisse und Eindrücke zu sammeln. Es war eine gute Idee des Veranstalters gewesen, dass die Teilnehmer das gleiche Hotel mitbuchen konnten. In dieser Weise behielten sie viel Kontakt miteinander außerhalb der Veranstaltungszeiten. Bei der diesjährigen Jahrestagung standen zwei Themen „Taubsein“ und die Behindertenrechtskonvention (BRK) der UN im Vordergrund. 85 Personen kamen im Karl-Bröger-Zentrum in Nürnberg zusammen. Zwei bekannte Hauptreferenten traten auf: Helene Jarmer aus Wien und Dr. Ulrich Hase aus Rendsburg. Sie haben den Anwesenden wertvolle Einblicke aus dem politischen Leben vermitteln können. Dr. Ulrich Hase referierte leidenschaftlich über die neue Behindertenrechtskonvention. Er sagte, dass es trotz der Verbesserung der Behindertenrechtskonvention noch viel Arbeit gibt. Als Beispiel nannte er das Recht auf Beratung. Leider wurde dieses Recht noch nicht verankert. Die schwierigste Arbeit seiner Ansicht ist die Umsetzung der Konvention aus der Theorie in der Praxis. Nicht immer klappt es, wie man es sich vorher vorgestellt hat. Auf dem Gebiet der Diskriminierung muss noch mehr getan werden. Auch heute noch werden die Bedürftigen entmündigt, statt sie zu fördern und zu unterstützen. Durch die neuen Gesetze in Verbindung mit der Behindertenrechtskonvention wird es sich in der Zukunft wahrscheinlich so entwickeln, dass anstelle von Gehörlosengeld, Blindengeld usw. zukünftig Teilhabegeld für alle Behinderten gewährt wird, so mutmaßte Dr. Ulrich Hase im Ausblick auf die Auswirkung dieser neuen Konvention. Das Thema „Inklusion“ war auch ein wichtiges Thema seiner Rede gewesen. Helene Jarmer, Abgeordnete (Die Grünen) des Nationalrats von Österreich, ist auch Präsidentin des Österreichischen Gehörlosen-Bundes, hatte viel aus ihrem beruflichen Umfeld berichtet, wie man sich als gehörlose Person politisches Gehör verschaffen kann. Im Laufe ihrer Zeit hatte sie schnell gelernt, wie man mit den Medien umgehen muss. Es durften keine Missverständnisse aufkommen und so musste man mit der Sensibilisierung klar umgehen können. Daher hat sie immer eine eigene Dolmetscherin dabei, die mit ihr sehr gut klar kam und so kein Problem mit der Öffentlichkeit hat. Auf die Nachfrage, wer für die Dolmetscherkosten aufkommt, antwortete sie, dass sie ein persönliches Budget vom Parlament genehmigt bekam und dieses selbst verwaltet. Helene hat klar gemacht, dass sie sich nicht nur um die Belange der Menschen mit Behinderung kümmert, sondern auch um alle Menschen, die die Grünen gewählt haben und so ihren politischen Parteiauftrag vertritt. „Die Grünen“ sind also von ihr aus gesehen der „Arbeitsgeber“ für sie. Bei ihrem Vortrag fällt auf, dass sie sehr schnell gebärdet und daher gleich zum Beginn ihrer Rede die Anwesenden aufgefordert hat, sie zu unterbrechen, wenn sie zu schnell wäre. Auf der Tagung standen nicht nur die Hauptreferenten auf dem Programm, sondern auch die Impulsvorträge von Helmut Vogel (Empowerment durch Deaf Studies und Deaf History), Sieglinde Lemcke (Empowerment durch bilinguale und bikulturelle Bildung) und Ege Karar (Empowerment durch Medien), was förderlich für das Mitmachen der Teilnehmer in den Workshops und bei den Abschlussdiskussionen war.Während der gesamten Tagung  hat das Organisationsteam vom Gehörlosenverband Nürnberg und Umland e.V. KuGG beim Ablauf des Programms hervorragend unterstützt und für das leibliche Wohl der Delegierten gesorgt. Es hat sich insgesamt bei der Tagung gezeigt, dass es noch nicht soweit ist, das Taubsein im Unterbewusstsein als ein Menschenrecht zu begreifen. Jedoch ist diese Tagung ein wichtiger Meilenstein für den Bewusstseinsprozess, damit die Taubengemeinschaft als eine sprachliche und kulturelle Minderheit weiterhin zu schützen und zu fördern ist. Im Anschluss an diese Jahrestagung rundete Angela Benschuh (gl) vom Verein der Gästeführer Nürnbergs, „Die Stadtführer“ e.V., das Wochenende mit einer interessanten Altstadtführung für die verbliebenen Tagungsteilnehmer ab. Dabei stach vor allem Prof.Paul Ritter, der berühmte gehörlose Nürnberger Meistermaler der Spätromantik, hervor, der von 1829 bis 1907 lebte.

Kulturarbeit und Vortrag Deafhood

Am Freitag, den 05. März trafen Elisabeth Brockmann, Waldemar Wenzel, Torsten Möller, Inna und Alexander Arzberger sowie Heike & Thomas Geisbrecht im Hotel Campus Lounge am Mersinweg 2 in der Paderborner Mitte zum gemeinsamen Abendessen zusammen. Diese Leute hatten Glück, noch vor dem dichten Schneefall rechtzeitig im Hotel zu erscheinen. Die anderen Leute, die wie angekündigt später nachkommen wollten, hatten leider das Nachsehen und kamen wegen dem Schneechaos auf Straßen nicht weiter voran und mussten kurzfristig absagen. Unser 2. Vorsitzender Ralf Kirchhoff kam sehr verspätet ebenfalls als Opfer des dichten Schneetreibens im Hotel an und war schon deswegen erschöpft und ausgelaugt. Gleich nach seiner Ankunft musste er der laufenden Vorstandssitzung beiwohnen, um den Anschluss noch nicht zu verlieren. Er wurde auf die Schnelle eingewiesen, damit er im Bilde war, wo wir im Gespräch blieben. Für ihn hatte es nach den Strapazen sich doch gelohnt. Nach der Sitzung dachten wir nur noch an frisch gezapftes Bier sowie gekühlte Getränke und haben den Abendausklang noch genossen mit dem Blick auf die verschneiten Landschaften wie im Skiurlaub. Zwei Tagen vor der Anreise zum Hotel war der Vorstand in heller Aufregung, weil der Referent für die Kulturarbeit und für den Vortrag „Deafhood“ (=Taubsein) – Helmut Vogel aus Frankfurt – vielleicht aus gesundheitlichen Gründen absagen könnte. Es kam zu einem regen Meinungsaustausch über Videochat und EMails, um schnell und kurzfristig den Plan B schmieden zu können, frei nach dem Motto „Die Not macht erfinderisch!“ Normalerweise wäre er am Freitag angekommen, stattdessen war er am Samstag erst zur Mittagsstunde gekommen. Immerhin konnte er noch die Kulturarbeit im Vereinsseminar uns vermitteln und motivieren. Er stellte sich vor und zeigte die geschichtliche Entwicklung seines „Kulturvereins“ namens KuGG (Kultur und Geschichte Gehörloser e.V.) per Videoprojektor auf. Zunächst befassten wir uns mit allen Schlagwörtern, die als Angebote auf einer geplanten großen Veranstaltung im Herbst 2011 vom Kugepu unterbreitet werden könnten. Anschließend bildeten wir drei Arbeitsgruppen zu 4 Personen. Diese Gruppen bekamen drei verschiedenen Aufgaben zugeteilt, um sich mit den Organisatorenproblemen zu befassen. Jede Gruppe trägt dann Ergebnisse allen Anwesenden per Flipcharts vor. Dabei waren die 12 Anwesenden stets motiviert um zu versuchen, wie die Aufgaben am besten gelöst werden könnten. Zwischendurch gab kleine Stärkung mit Kaffee und Tee vom Hotel. Das Hotelpersonal war stets hilfsbereit und sehr aufmerksam. Sogar eine gehörlose Mitarbeiterin ist in diesem Hotel angestellt und stand während des gesamten Wochenende mit Rat und Tat ebenfalls zur Verfügung

Am Sonntag (07. März 2010) kamen insgesamt 47 Personen plus 8 Kinder zur Vortragsveranstaltung „Deafhood“. Vorher kamen 34 angemeldeten Besucher zum reichhaltigen Kulturfrühstück mit einem Sektempfang zusammen. Wer die Kinder mit dabei hatte, brauchte sich nicht um die Betreuung zu kümmern. Zwei erfahrenen hörenden Betreuerinnen waren dafür eigens gekommen und hatten sich um das Wohl der anwesenden Kinder gekümmert in einem großen Nebenraum ganz in der Nähe des Veranstaltungsraumes, wo am Vortrag das Seminar „Kulturarbeit“ stattgefunden hatte. Im Vortrag machte Helmut Vogel ganz deutlich, dass viele Gehörlosen ganz unbewusst sich selbst dem Schicksal überlassen fühlten, obwohl sie hätten vielleicht mehr erreichen können. Deafhood (engl. „Taubsein“) ist also grob zusammengefasst ein Sammelbegriff für eine neue Selbstfindung bzw. für eine Identifikation in eigener Person als Gehörloser. Wenn die Gehörlosen sich mit dem Thema gründlich auseinander gesetzt haben, würden sie am Ende zur klaren Einsicht kommen mit den Worten:

„Ich bin gehörlos – na und?“ Nach dem zweistündigen Vortrag kam es zu einem regen Meinungsaustausch mit interessanten Erkenntnisse der Anwesenden. Der Ehrengast aus Büren, Herr Befeld (hd), der im Stiftsrentamt beschäftigt ist, zeigte sich beim Deafhood-Vortrag interessiertund wurde über alles vom kompetenten Gebärden-sprachdolmetscherteam bestens informiert. Kugepu bat ihn im Vorfeld um seine Unterstützung, um Räumlich-keiten für eine Jubiläumsveranstaltung aus Anlass des 180-jährigen Bestehens der alten Gehörlosenschule zu finden. Das Thema „Deafhood“ ist sehr umfassend und konnte nur als Einführung für die Anwesenden vermittelt werden. Wer gerne mehr über dieses spannende Thema wissen möchte, hat dazu die Möglichkeit, die weitere Veranstaltung von Helmut Vogel in Paderborn zu besuchen. Kugepu wird mit Helmut Vogel dazu einen Termin ab 2011 ausmachen. Sobald der Termin klar ist, wird entsprechende Bekanntmachung im Blickpunkt und auf der

Homepage von Kugepu (www.kugepu.de) veröffentlicht.

Thomas Geisbrecht

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